Was ist die Stilbotschaft von Mustern? Teil 1

Montag, 18. April 2022

Was ist die Stilbotschaft von Mustern? Teil 1

 

Willkommen bei LOOK AT YOU!

Mein Name ist Isabella Jaburek-Nourry. Ich bin Stil- und Imageberaterin. In meinem Blog bekommen Sie regelmäßig Tipps für Ihren stilsicheren und modischen Auftritt.

 

Was kommunizieren Muster?

Für Teil 1 von ‚Was ist die Stilbotschaft von Mustern‘ habe ich zwei Beispiele von textilen Mustern ausgewählt: das Karomuster und das Blumenmuster. Ich habe versucht den historischen Hintergrund  zu beleuchten – falls vorhanden – und dazu die jeweilige Stilwirkung aufgezeigt.

Haben Sie sich schon einmal gefragt, welche Stil-Botschaften Muster haben? Wenn Sie Muster lieben und viele gemusterte Teile in ihrem Kleiderschrank hängen haben, stellt sich auch die Frage, was diese Muster über Sie persönlich aussagen. Jedes Muster kommuniziert, hat eine visuelle Aussage und erzeugt eine spezielle Wirkung. Muster erzählen Geschichten. Sie können Stilrichtungen zugeordnet werden und haben gegebenenfalls historischen Hintergrund.

 

Muster haben immer eine Stil-Botschaft.

 

 

In der Stilberatung unterscheide ich zwischen vier großen Stilrichtungen: der klassischen Stilrichtung, der sportiven Stilrichtung, der femininen oder detailgetreuen (Herren) Stilrichtung und der extravaganten Stilrichtung. Den vier großen Stilrichtungen sind jeweils verschiedene Untergruppen zugeordnet. Der extravaganten Stilrichtung kann etwa der futuristische Stil oder der klassischen Stilrichtung kann der englische Stil zugeordnet werden.

 

Muster spielen bei der Stilveränderung eine Rolle

Muster spielen bei der Stilfindung oder Stilveränderung neben Farben eine wichtige Rolle. Das Ziel einer Stilberatung ist es, die passende Stilrichtung inklusive der vier Stilelemente – Farbe, Muster, Material und Schnitt – mit dem individuellen Wirkungswunsch in Einklang zu bringen. Es ist erstrebenswert, dass die Aussage des Musters mit der Persönlichkeit korrespondiert und mit dem gewünschten Stil übereinstimmt. Muster sind dafür ein starkes kommunikatives Mittel.

 

 

1. Das Karomuster 

– ein Muster mit Traditionverschiedene Karomuster in der Farbe Blau

Sie kennen sicher den Spruch: ‚Jedem Schotten sein Karo‘. In Schottland sind Tartans, das typische Karomuster der schottischen Clans, seit vielen Jahrhunderten in Verwendung. Die Muster sind regional und farblich verschieden. In Schottland wurde anfangs nur helle und dunkle Schafwolle verwendet. Erst später wurden die Fäden eingefärbt. Ein klassischer Tartan besteht aus mindestens drei verschiedenen Farben. Ab dem Jahre 1815 wurden die Clan-Tartans offiziell registriert. Inzwischen gibt es über 2500 verschiedene Muster.

 

Konservativ und bodenständig

Ein Muster mit langer Tradition: konservativ und beliebt. Das karierte Muster setzt sich aus kreuzenden Quer- und Längsstreifen in einer oder mehreren Farben zusammen. Das traditionelle Muster zeigt konservatives Bewusstsein, Bodenhaftung, Geradlinigkeit und Seriosität. Wenn Sie ein Karo-Fan sind, dann sind Ihnen diese Werte eventuell wichtig.

 

Das ideale Muster für den klassischen Bereich

Verbindet man nun die Geschichte und die traditionsreiche Aussage des Musters mit einem konservativen Wirkungswunsch der TrägerIn entsteht ein sehr klassisches Bild. Die Geradlinigkeit des schottischen Karos, die Farbgebung, die Material- und Schnittauswahl können diesen Wirkungswunsch zusätzlich unterstreichen.

 

Karo-Muster mit rebellischer Wirkung

Sie sind nicht konservativ, sondern haben eine rebellische Ader? Dann habe ich hier ein extremes Beispiel für Sie parat. Rot-Schwarz-Tartans wurden unter anderem gerne von Punks verwendet, um den Geist der wilden Auflehnung zu verkörpern. Stehen die Farben Rot und Schwarz nebeneinander, kann das Farb-Duo folgenden Gefühlen oder Eigenschaften zugeordnet werden: dem Bösen, der Brutalität oder dem Anarchismus.

Punk-Mode war in den 1970ern, vor allem in Großbritannien und den USA eine Ideologie, die ermutigte, eingefahrene Sichtweisen in der Gesellschaft wie Kapitalismus, Rassismus, Sexismus und Nationalismus zu hinterfragen. Der rebellische ‚Outlaw-Look‘ war ein Mix aus verschiedenen Elementen, die bewusst entfremdet wurden. Da stand plötzlich das konservative Karomuster gemeinsam mit dem Irokesenschnitt, den Sicherheitsnadeln, ausgebleichten T-Shirt, Nieten, Lederjacken und PVC-Röhrenhosen in einer Reihe, um die Unzufriedenheit mit dem Status quo auszudrücken.

 

Die Wirkung von Karomustern

Die Wirkung ist traditionell, konservativ, sportiv, naturverbunden (Freizeit, Jagd, Fischerei) bäuerlich, geradlinig, geordnet oder männlich. Achten Sie darauf, wie und wo Sie Karo-Muster einsetzen, denn die Kombination macht den Look. Er könnte rebellisch wirken, feminin, zielstrebig, präsent, elegant oder langweilig. Hinzu kommen die bewussten oder unbewussten Verknüpfungen von Vorstellungen mit dem jeweiligen Muster.

 

Textile Muster erzeugen emotionale Stimmungen.

 

2. Florale Muster – weltweit beliebt

Können Sie sich noch an den Privatdetektiv Magnum aus der gleichnamigen TV-Serie erinnern? Der Schauspieler Tom Selleck machte in den 80ern das Hawaiihemd populär. Ein echtes Hemd aus Hawaii, ein Aloha Shirt, besitzt ein schönes buntes Blumenmuster oder andere tropische Motive. Es ist locker und am Saum gerade geschnitten. Die Knöpfe sind aus Kokosnussschalen gefertigt. Sie werden offen und über die Hose getragen.

Grüße aus Hawaii

Die echten Hawaii-Hemden werden aus Seide, Baumwolle oder Viskose angefertigt. Die vielfältigen Muster lassen sich in verschiedene Kategorien einteilen:

  • Blumen, Bäume, Früchte

  • tropische Vögel und Fische – Tiermotive

  • Landschaften wie Strände, Wasserfälle, Berge oder Architekturmotive

  • Musikinstrumente.

Diese Muster erwecken Urlaubsgefühle, lassen uns von wunderbaren Sonnenuntergängen schwärmen und erinnern an Partys in tropischen Nächten. Wenn Sie nicht allzu verträumt und verspielt wirken möchten, empfehle ich das Hawaii-Shirt nur für die Freizeit oder den (Strand-)Urlaub.

 

Blumenmuster sind weltweit beliebt 

Blumenmuster spielen seit Jahrtausenden in vielen Kulturen eine wichtige Rolle. Sie zeigen eine Variantenvielfalt wie kaum ein anderes Musterelement. Blumenmotive sind beliebt und eignen sich ausgezeichnet für größere oder kleinere Rapporte (Musterwiederholungen). Sie sind in ihrer Form, Optik und farblichen Darstellung sehr stark variabel. Die Motive reichen von abstrakt, romantisch bis zu naturalistischen oder fantastischen Formen mit symmetrischer oder verstreuter Anordnung.

 

Hippie-Feeling und romantische Flower-Powerrotes Kleid mit Blumenmuster

Durch die Hippie-Bewegung bekamen Blumendarstellungen auf weiten Kleidern und Hemden eine andere Bedeutung. Hippies verbreiteten 1968 in San Francisco die Flower-Power Bewegung. Eine Protestbewegung, die Liebe, Freiheit und Frieden predigte. Die leuchtend bunt gemusterten Kleider zeigten den Einfluss indischer Blumenmotive und psychodelischer Experimente. Der Kleidung, oft aus zweiter Hand, bekam durch Patchwork, Stickereien und Applikationen eine persönliche Note.

In den 1970er-Jahren verdrängten lange, weite A-Linien-Kleider die Mini-Röcke. Die bodenlangen Kleider prunkten mit Flower-Power- und Paisleymustern, femininen Stoffen und weichen Farben. Die Hinwendung zum romantischen Ideal eines Lebens in Harmonie spiegelte lässige, natürliche und gemusterte Kleidung wider. Neckholderkleider mit floralen Musterungen und dem persischen Boteh-Muster (Paisley) waren der Gipfel des Hippie-Chics.

Seit mehreren Saisonen haben Blumenkleider wieder an Bedeutung gewonnen. Ich empfehle Blumenkleider bzw. den Flower-Power-Look nur, wenn der Anlass und die individuelle Ausdrucksweise passen.

 

 

 

 

 

Muster haben ein ‚Eigenleben‘ und harmonieren nicht immer mit der individuellen Ausdrucksweise.

 

 

 

Jede Blume hat eine Bedeutung

Blumen haben eine kraftvolle Stilsprache. Den Blumenarten werden verschiedene Bedeutungen zugeordnet. Die Symbolik ist vielfältig und reicht von jugendlichen Frohsinn, Reinheit, Liebe, Anmut bis hin zu Trauer, Jungfräulichkeit, Erotik oder Exzentrik.

 

Muster kommunizieren immer. Sie haben eine Botschaft und drücken Gefühle aus. Wenn Sie das ein oder andere gemusterte Stück in der Garderobe nicht mehr tragen möchten, kann es an der Art des Musters liegen. Vielleicht passt es im Moment weder zu ihrer Lebenssituation, ihrer Stimmung noch zu ihrem Stil.

 

 

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Portrait von Isabella Jaburek-Nourry: Britta Noibinger

Titelbild: Isabella Jaburek-Nourry – Seidenbluse florales Muster von  FRANCO FERRARI (www.francoferrari.it) 

Karomuster: Isabella Jaburek-Nourry – Baumwollstoffe Blau – Herrenhemden Befeni & Wollschal Rot-Schwarz von Kult

Kleid mit Blumenmuster: www.etro.it 

Beratung im LOOK AT YOU – Studio: www.fabulouskystudio.com

 

 


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