Die Stilbotschaft von Mustern (Teil 2)

Montag, 25. Juli 2022

Die Stilbotschaft von Mustern (Teil 2)

Willkommen bei LOOK AT YOU!

Mein Name ist Isabella Jaburek-Nourry. Ich bin Stil- & Imageberaterin und informieren meine LeserInnen regelmäßig über Stil-, Image- & Modethemen. In diesem Beitrag geht es um Paisley- und um Fantasiemuster und deren Stilwirkung.

 

Was kommunizieren Muster?

Offen gestanden bin ich ein echter Muster-Muffel. Ich trage kaum Muster und in meinem Kleiderschrank befinden sich nur wenig gemusterte Teile. Warum eigentlich? Das habe ich mich des öfteren selbst gefragt und ich bin zur Ansicht gekommen, dass Muster oft sehr starke Informationen in sich tragen, die mich persönlich nicht ansprechen und meinen Stil in keinster Weise ausdrücken. Dennoch gibt es Muster, die immer wieder mein Interesse wecken. 

 

Muster tragen starke Informationen in sich und erzählen Stil-Geschichten.

 

 

Das Paisley-Muster zieht mich beispielsweise magisch an. Und noch zwei weltbekannte Muster sehe ich mir gerne an: das typische Missoni-Muster und die verschiedenen Pucci-Motive. Ich habe mich also auf Muster-Reise begeben und nachgeforscht, was es mit diesen Motiven auf sich hat. Machen Sie mit mir eine kleine Muster-Reise.

 

 

Muster kommunizieren immer. Sie haben eine Botschaft und drücken Gefühle aus. Sie erzählen ihre eigenen Geschichten und sind in Stoff gewebte Fantasien oder Erinnerungen. Muster haben ihr Eigenleben und harmonisieren nicht immer mit der individuellen Ausdrucksweise. 

 

 

1. Das Paisley-Muster –

ein orientalisches Muster mit Geschichte 

Eine Reise von Persien nach Europa 

Das Paisley-Motiv ist eine Ableitung vom ursprünglichen persischen Boteh-Muster aus dem 15. Jahrhundert. Das Muster wurde durch Importe der East Indian Company nach Europa im 17. Jahrhundert bekannt. In Indien wird die Grundform des Musters mit der Mango-Frucht, der Knospe von der Dattelpalme oder einem stilisierten Blumenstrauß assoziiert. Das Motiv wird Forschungen zufolge als Symbol des Lebens und der Unendlichkeit betrachtet. Der Name Paisley stammt jedoch von der gleichnamigen Produktionsstätte in Schottland.

 

Das Paisley ist ein dekoratives, filigranes Muster. Seine Grundform besteht aus einem blatt- oder tropfenähnlichen Symbol. Es ist reich detailliert und verziert und auf hochwertigen Stoffen sieht das geschwungene Muster elegant und exklusiv aus. Queen Victoria von Großbritannien erkannte dies und ließ sich Schals und Tücher mit diesem eleganten Motiv fertigen. Das Muster wurde in England und in Frankreich sehr beliebt und zum fixen Bestandteil in der Modewelt. 

 

 

Das Paisley-Motiv ist ein dekoratives Muster und auf hochwertigen Stoffen sieht es  elegant und exklusiv aus.

 

 

 

Das Muster geriet in Europa in Vergessenheit und feierte ein echtes Comeback durch die Hippies in den 70er-Jahren. Der erfolgreiche italienische Designer Gimmo Etro brachte 1968 bedruckte Paisley-Stoffe aus Indien nach Italien. Das Label Etro ist bis heute bekannt für seinen farbenprächtigen Muster-Mix mit diesem Motiv und ähnlichen Ethnomustern. Veronica Etro – die Tochter des Hauses Etro ist für die Damenkolletktionen zuständig – ist wie ihre Eltern überzeugt von dieser Musterung und zeigt es fortlaufend in verschiedenen Variationen in ihren Kollektionen.

Es gab auch Zeiten, wo das Muster als altbacken abgestempelt wurde. Aber es ist immer wieder von Designern aufgegriffen und neu interpretiert worden.

 

Die Stilwirkung des Paisley-Musters

Es wirkt zeitlos, elegant, weich, traditionell, orientalisch oder konservativ. Was kommunizieren Sie, wenn Sie diese Muster tragen? In erster Linie kommt es darauf an, wo das Muster eingesetzt wird, wie es interpretiert wurde, auf welchem Stoff es gedruckt ist und welche Farben im Design vorkommen.

Paisley ist nicht gleich Paisley. Wenn es von amerikanischen Jugendgangs in Form von Bandanas (Stirnband aus Baumwolle) als Erkennungszeichen getragen wird, bekommt die Stilwirkung eine aggressive Konnotation. Edle Seidenkrawatten oder Stecktücher mit Paisley-Mustern in der klassischen Herrenabteilung erfreuen sich selbst im gehobenen Business-Bereich an Beliebtheit. Auf hochwertigen Stoffen sieht das geschwungene Muster immer elegant und exklusiv aus. Das Wissen über die Wirkung und vor allem über die Herkunft des Musters hilft, um seinen eigenen Stilausdruck steuern zu können. 

 

2. Fantasiemuster von Designern

Welche Muster erregen Aufmerksamkeit? Die bisher beschriebenen Musterarten  – siehe auch ‚Was ist die Stilbotschaft von Mustern?‘ (Teil 1)  – haben beispielsweise eine sehr klassische oder feminine Wirkung, ganz im Gegensatz zu kreierten wilden Fantasiemustern. Diese Musterungen haben kein spezielles Thema, stehen aber oftmals im Zusammenhang mit einer Unternehmensgeschichte. Kreative Designer haben ihr eigenes Muster entworfen und sind aufgrund ihrer Entwürfe weltberühmt geworden. Diese Muster haben einen sehr hohen Wiedererkennungswert. 

 

Emilio Pucci’s psychedelische Motive

Die Muster des italienischen Designers Emilio Pucci erkennt man sofort. Pucci ist berühmt für seine farbenfrohen psychedelischen Motive. Die Modemarke Pucci gibt es seit den 50er-Jahren und in den 60er- und 70er-Jahren kleidet er den internationalen Jeset ein. Die typischen Pucci-Muster sind wieder sehr aktuell.

Während die typischen Pucci Motive keinem Gesetz folgen, sondern sozusagen frei verlaufen, kann man bei den Missoni-Mustern einen Rapport erkennen. 

 

Die Stilwirkung von Fantasiemustern 

Muster haben immer einen Größen-Maßstab. Muster haben einen kleinen, mittelgroßen oder großen Maßstab. Dieser Maßstab sollte mit dem eigenen Körpermaßstab, mit dem Körpergewicht und den Proportionen im Einklang stehen, denn so kann eine ideale optische Harmonisierung der Proportionen zustande kommen.

Zum Beispiel: Ein kräftig gebauter Körper braucht ein mittelgroßes bis großes Muster, damit es gut zur Geltung kommt. Ist die Musterung zu klein oder das optische Gewicht nicht ausreichend, stimmen die Dimensionen mit dem Muster nicht überein.

Pucci- oder Fantasiemuster sind ideal, um beispielsweise von nicht perfekten Körperzonen abzulenken. Die Augen der Betrachter können beim Musterverlauf keinen Fixpunkt erkennen. Beim Kaschieren mit Mustern ist es wichtig, dass das Auge sich nirgendwo festhalten kann. Der unregelmäßige Musterverlauf lenkt also die Blicke! 

Die Stilwirkung von unruhigen Mustern ist ideal für Personen, die gerne ihre Expressivität zeigen möchten. Expressive Muster fallen auf und sind am besten in der Abteilung des extravaganten Stils aufgehoben. Die Frage ist immer, was möchten Sie ausdrücken, was möchten Sie kommunizieren? Wie möchten Sie auf andere wirken? Sind Sie ein Freigeist, der sich nirgendwo festlegen möchte? Dann passen Ihnen Muster mit unregelmäßigem Rapport und ausdrucksstarken Farben. Probieren Sie es aus, Sie werden sehen, dass das Muster Sie dabei unterstützen wird. 

 

 

Missoni’s Zick-Zack-Fantasien

 

1953 hat Ottavio Missoni zusammen mit seiner Frau Rosita das italienische Modelabel gegründet. Das Label Missoni ist international für seine farbenfrohen Textilien und Strickwaren bekannt. Das typische Missoni-Muster besteht aus einem speziellen Zick-Zack Musterverlauf.

Es wirkt auf den ersten Blick sehr einfach, aber die fantasievollen Farbkombinationen erscheinen wie eine Art verschwommener Wasserfall. Missoni-Muster gibt es in verschiedenen Größen und Farben. Die Farbzusammenstellungen sind faszinierend und einzigartig. 

 

Designer entwerfen Muster, um ihren Kreationen eine spezielle Handschrift zu verleihen. Ob Designer-Muster ihren Stil ausdrücken bzw. ihren Geschmack treffen, steht zur Debatte. Mit der Wahl unserer Kleidung senden wir Signale nach außen. Ist die Kleidung gemustert, besteht die Möglichkeit, Botschaften noch deutlicher zu unterstreichen.

Ein Muster spricht immer für sich. Wenn Sie wissen, was das Muster bedeutet, wo und wie es getragen wird, können Sie damit bewusste Stil-Botschaften kommunizieren. Der Rapport (die Musterwiederholung) bestimmt unter anderem die Musterwirkung. Der Rapport kann gleichmäßig oder ungleichmäßig sein. Geometrische Muster mit einem regelmäßigen Rapport wirken oftmals strenger als ungeordnete Muster.

 

Fakt ist, dass wir von vielen Mustern umgeben sind. Sei es in der Natur als auch in unserem Alltag, sei es bei der Bekleidung oder in unserem Wohnraum. Sehen Sie sich um und analysieren Sie in Ruhe die Wirkung der verschiedenen Muster. Lesen Sie dazu auch den ersten Teil des Blogs über die Stilwirkung von Blumen- oder Karomusterungen.

 

 

 

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Ihr Image- & Styleguide Isabella Jaburek-Nourry 

 

 

 

Titelbild – gelbes Paisley-Motiv & Paisley-Motive im Text – Isabella Jaburek-Nourry

Bilder mit Mustern – Pucci & Missoni

 

 


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